Unsere Kritik an Belit Onay (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Quelle: fraktion.gruene-niedersachsen.de

Am 04. November 2016 wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass Belit Onay, der Sprecher für BürgerInnenbeteiligung, Kommunalpolitik, Sportpolitik, Netzpolitik, Datenschutz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Niedersachsen, den islamischen Dachverband ATIB („Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“) ins niedersächsische Parlament eingeladen hat. Dazu wurde ein Link der ATIB-Homepage uns zugeschickt, wo die ATIB stolz davon berichtet, dass sie ins Parlament eingeladen wurde. Auch ein Foto mit Onay wurde online gestellt. Wann dieses Treffen genau stattgefunden hat, ist bis heute nicht bekannt und transparent. Es scheint aber der Recherche und der Reaktion Onays nach, aktuell zu sein.

Die ATIB ist laut dem hessischen und bayrischen Verfassungsschutz ein Verband, der der Ideologie der rechtsextremen, rassistischen „Graue Wölfe“-Bewegung nahe steht.

Der Verfassungsschutz in Hessen schreibt über die ATIB:
„Neben der ADÜTDF existieren weitere Organisationen, die dem türkischen Nationalismus der „Grauen Wölfe“ zuzurechnen sind, insbesondere die „Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa“ (ATIB) und der „Verband der türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB).“

Da aber gerade die Verfassungsschutz-Organe in Deutschland sich seit je her nie wirklich mit Ruhm bekleckert haben, ist gerade hier Vorsicht geboten. Doch eben nicht nur der Verfassungsschutz, sondern auch renommierte Wissenschaftler wie Dr. Kemal Bozay oder Dr. Nikolaus Brauns kommen zu dem selben Ergebnis.

So schreibt Bozay in seinem Buch „Graue Wölfe heulen wieder“:
„Die rechtsextrem-islamistisch gesinnte ATIB dagegen verwendet den Begriff des >Europäischen Türkentums< in enger Verbindung mit der >Nationalen Identität< .“

„Die Belebung der >Nationalen Identität< , sowie ihre Übertragung an neue Generationen,bilden in den Argumentationen von ATIB den Grundbaustein für die weitere Existenz des>Europäischen Türkentums< .[...].“

„Der politische Bezug zum Heimatland soll durch eine politische Mobilität im Aufnahmeland weiter entwickelt werden. Insbesondere geht es dabei auch um die Rekrutierung und Motivierung von türkischsprachigen Jugendlichen der zweiten oder dritten Generation, die in diesem Land geboren oder aufgewachsen sind und häufig in einem Identitätsdilemma stecken. Sie sollen durch die Prägung dieses Begriffs politisiert und für die türkisch-rechtsextremen Organisationsstrukturen mobilisiert werden.“
buch

Dr. Nikolaus Brauns bestätigte diese Vorwürfe in einem Telefongespräch und zeigte klar die Verbindungen zwischen der ATIB und dem Gedankengut der „Grauen Wölfe“ auf.

Die bekannte Internetseite „Ufuq.de“, ein Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus ergänzt diese Ausführungen wie folgt:
„Die ATIB konzentriert sich auf die Organisation der Gotteshäuser und gibt sich im Auftreten moderat. Sie bietet aber gerade dadurch für türkische Nationalisten, für die die MHP zu „radikal“ ist, eine Möglichkeit, im weiteren Milieu der „Grauen Wölfe“ zu verbleiben.“

Man könnte die Liste der Quellen beliebig weiterführen, die zu dem selben Ergebnis kommen. Für alle scheint eines festzustehen: Die ATIB vertritt zumindest ein Gedankengut, das dem der Grauen Wölfe sehr nahe steht. Dass Musa Serdar Celebi, der Gründer der ATIB, bis in die 1980er im Vorstand der ADÜTDF/Türk Federasyon (deutscher Ableger der rechtsextremen türkischen Partei MHP – Mutterorganisation der Grauen Wölfe) saß, sollte hier eigentlich gar nicht mehr extra erwähnt werden müssen.

ATIB lädt Bilder, auf denen der „Wolfsgruß“ gezeigt wird auch ohne weitere Konsequenzen auf ihrer Seite hoch!
wolfgruß

Soweit, so gut. Man könnte hier auch einfach davon ausgehen, dass Herr Onay und die Grüne Landtagsfraktion in Niedersachsen nicht richtig recherchiert und man deshalb die ATIB eingeladen hat. Dem ist aber so nicht!
Nachdem unser Hinweis auf Facebook sich recht schnell herumgesprochen hatte, reagierte Herr Onay mit einer Stellungnahme am 05. November 2016 auf seiner Homepage.

In dieser Stellungnahme weist Onay daraufhin, dass die ATIB anscheinend im Schura-Rat-Niedersachsen sitzt, ein Rat der islamischen Gemeinschaften, der als Kooperationspartner der niedersächsischen Landesregierung agiert. Erster Vorsitzender des Rates ist übrigens Recep Bilgen von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), die intensive Verbindungen zur türkisch-faschistoiden Regierungspartei AKP unterhält. Wenn die ATIB also dem Schura-Rat angehört, kann man faktisch sagen, dass eine Graue-Wölfe Organisation Kooperationspartner der niedersächsischen Landesregierung ist. Ein Skandal!

Für Onay scheint das aber weniger problematisch zu sein, so sagt Onay: „Dabei ist die Schura ein Zusammenschluss unterschiedlicher Gemeinden verschiedener Herkunft. Auch die ATIB ist hier Mitglied. Diese ist in Niedersachsen kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes.

Und hier zeigt ein Herr Onay eben sein wahres Gesicht im Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Ihm reicht es anscheinend aus, dass der Verfassungsschutz in Niedersachsen sagt, dass man ATIB nicht beobachten müsse. Dass man 350km entfernt in Hessen etwas ganz anderes sagt und sämtliche Experten zum Thema „Türkischer Ultra-Nationalismus“ auch etwas anderes sagen, scheint ihm egal zu sein. Soll das der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus sein, den die Grünen sich auf die Fahne schreiben? Was sagen Cem Özdemir oder Volker Beck dazu?

Wie kann man sich mit einer Delegation einer rechtsextremen Gruppierung an den Tisch setzen und über den „aktuellen Stand der Vertragsverhandlungen“ bezüglich der Kooperation der niedersächsischen Landesregierung und dem Schura-Rat informieren? Dann könnte man auch im Umkehrschluss sich mit der NPD an einen Tisch setzen, oder unterscheiden die Grünen zwischen „deutschem“ und „ausländischem“ Rechtsextremismus. Die ganze Situation ist doch eine Farce und widerspricht jeder Logik, die sich auf dem Leitsatz „Nie wieder“ begründet.
Auch wir in der Linksbewegung kennen diese problematische Sicht der Dinge nur zu gut. Unser linker Ministerpräsident Bodo Ramelow macht öffentlich Werbung für ein Buch Aiman Mazyeks, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime (ZMD), der die ATIB als Dachverband beheimatet. Und auch das kritisieren wir scharf und sind entsetzt, wie man Faschismus und Nationalismus Tür und Tor öffnet.

Die ATIB bestreitet übrigens auch den historisch nachgewiesenen Völkermord an den Armeniern 1915/16. Auf der ATIB Homepage heißt es sogar: „Nehmen Sie Abstand vom Zwang zum „Völkermord-Bekenntnis“".
Völkermords-Leugner sind also der Kooperationspartner der niedersächsischen Landesregierung! Worüber spricht man mit solchen Menschen konkret? atib völkermord

Onay weiß aber innerhalb seiner Stellungnahme immer noch eins oben drauf zu setzen. So schreibt er:
„Zum Abschied baten die Jugendlichen mich noch um ein gemeinsames Gruppenfoto. Dass dieses Foto nun auf der Seite des Bundesverbandes der ATIB in dieser Form veröffentlicht wird, ist mehr als irreführend. Daher habe ich die Verantwortlichen aufgefordert, dies dort zu entfernen. Dem wird nachgekommen werden.“

Warum ist es irreführend, dass Ihr Verhandlungspartner ein Foto mit Ihnen online stellt? Ist es nicht viel irreführender, dass Sie mit einem Verband der „Grauen Wölfe“-Bewegung kooperieren? Ist es nicht viel irreführender, dass Sie sämtliche Hinweise und Fakten zur ATIB ignorieren und bei Seite schieben? Ist das Ihr Kampf gegen Rechtsextremismus?

Fazit:

Wer Faschismus, Nationalismus und Rassismus bekämpfen will, muss diesen Kampf auch annehmen und sich nicht auf Ausreden berufen, wenn Probleme faktisch benannt werden, die über deutschen Nationalismus und Faschismus hinausgehen. Wer derartige Probleme nur bei deutschen Parteien und Organisationen sieht, macht sich mitschuldig daran, dass Rassismus und Fremdenhass die Gesellschaft weiter zerfressen und spalten.
Gerade jetzt, wo Pegida und Co. das Land spalten, ist Zivilcourage, Mut und ein offener, kritischer Diskurs zum Thema Faschismus gefragt. Entweder wir nehmen diesen allumfassend an oder überlassen den Faschisten das Spielfeld, die mit allen Mitteln versuchen, ihre Ideologie in die Köpfe und Herzen der Menschen zu tragen.

Mit antifaschistischen Grüßen

Die Linksjugend [’solid] Oberhausen

Islamische Alternativen zu den Dachverbänden

Zur Zeit wird in ganz Deutschland, teils sehr emotional, über die islamischen Dachverbände und ihre Verstrickungen in ultra-nationalistische und radikal islamistische Strukturen diskutiert. Auch wir als Linksjugend [’solid] Oberhausen haben uns in diese Diskussion eingeschaltet, da uns spätestens mit der Einladung Aiman Mazyeks (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime – ZMD) zum Parteitag der Linken am 28.5.2016 in Magdeburg, klar wurde, dass auch in unseren Reihen etwas schiefläuft.

Was läuft genau schief?

Die drei großen islamischen Dachverbände – DITIB, der Zentralrat der Muslime (ZMD) und der Islamrat – sind nach unserer Recherche von Ultra-Nationalisten und Islamisten systematisch unterwandert. So wird DITIB von der türkischen Religionsbehörde in Ankara „DIYANET“ kontrolliert und finanziert, wobei DIYANET wiederum dem türkischen Ministerpräsidentenamt untersteht, das durch die faschistoide AKP besetzt ist.

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) beheimatet in Spitzenpositionen Mitglieder der ATIB, die eine islamistische Abspaltung der rechtsradikalen „Grauen Wölfe“-Bewegung ist. Darüber hinaus ist die IGD, die islamische Gemeinde in Deutschland, ein Gründungsmitglied des ZMD, und gilt als Deutschlandvertretung der islamistischen „Muslimbruderschaft“. Auch das IZH, das islamische Zentrum Hamburg, ist Teil des ZMD und wurde bereits mehrfach durch Experten und Journalistinnen und Journalisten als „Hisbollah“-Lobby-Organisation identifiziert. 2016 war das IZH mit ca. 200 Personen an der jährlichen Al Quds Demonstration in Berlin beteiligt.

Der Islamrat wird durch die islamistische Millî Görüş-Bewegung kontrolliert und tritt besonders durch Homophobie und AKP-Nähe immer wieder in Erscheinung. Ehemalige hohe Millî Görüş-Funktionäre wie Mustafa Yeneroğlu, sind heute Politiker in der AKP. Recep Tayyip Erdoğan selber ist vor seiner AKP-Karriere durch die islamistische Schule der Millî Görüş-Bewegung in der Türkei gegangen und war Schüler des Islamisten Necmettin Erbakan, der in den 1970ern die Bewegung gründete.

Alle drei Dachverbände sind Kooperationspartner der deutschen Bundesregierung und Teil der deutschen „Islamkonferenz“.
Man kooperiert also mit Islamisten und Ultra-Nationalisten/Innen im Kampf gegen Islamismus und Extremismus. Traurig, aber wahr.

Fakt ist, dass die islamischen Dachverbände statistisch nur maximal ca. 15% der Muslime in Deutschland vertreten.
Trotzdem lässt man diesen Dachverbänden die Deutungshoheit über ein spezielles Islamverständnis in Deutschland. Im Falle der Dachverbände ein politisches, teils extremistisches und auf jeden Fall anti-liberales Islamverständnis.

Was ist die Alternative?

2010 wurde in NRW der „Liberal-islamische Bund (LIB) gegründet, der eine liberale und moderne Auslegung der islamischen Quellen vertritt. Als Repräsentant muslimischer Bürgerinnen und Bürger sieht sich der LIB in der Verantwortung, die liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islamverständnisses zu vertreten.
Der LIB bietet allen Bürgerinnen und Bürgern ein Forum, die sich wertschätzend mit islamischen, interreligiösen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen wollen. Er ist offen für einander widersprechende Blickwinkel im Sinne eines lernenden Selbstverständnisses zum Nutzen und zur Ermöglichung des gemeinsamen Erkenntnisgewinns.
Der LIB vertritt ein pluralistisches Gesellschaftsbild und bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dementsprechend lehnt der LIB jegliche Form von rassistischer, u.a. antisemitischer, antichristlicher oder antiislamischer Auffassung ab. Im Kampf gegen Homophobie ist der LIB federführend in der islamischen Community .

Der LIB tritt darüber hinaus unter anderem konkret ein für eine:

- „dogmafreie“ Auslegung religiöser Schriften wie dem Koran auch unter Einbeziehung historischer und sozialer Kontexte
- die umfassende Geschlechtergerechtigkeit, sowie deren pädagogische und theologische Umsetzung
- die Einführung eines flächendeckenden islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen

Das Besondere am LIB im islamischen Kontext ist, dass der LIB weibliche Imaminnen beheimatet. Gerade hier ist der LIB auch der römisch-katholischen Kirche um Welten voraus, die immer noch ein sexistisches Weltbild vertritt.

Weitere Infos unter:
https://www.facebook.com/Liberal-Islamischer-Bund-124230680945769
http://lib-ev.jimdo.com/

Eine weitere islamische Organisation, die ein liberales Islamverständnis vertritt, ist das „Muslimische Forum Deutschland – MFD“, welches namhafte Wissenschaftler wie Ahmad Mansour, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide ( Leiter des Zentrums für Islamische Theologie in Münster) oder die Journalistin Düzen Tekkal und Autorin Cigdem Toprak beheimatet.

So beschreibt sich das MFD selber wie folgt:
„Wir sind Menschen, die sich als Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und zugleich als Muslime sehen. Wir engagieren uns für das friedliche Zusammenleben in einer immer pluraler werdenden Gesellschaft und sind der Auffassung, dass dies durch die Achtung der Menschenrechte, der Freiheit und der Demokratie gewährleistet werden kann. Wir sind offen für die Unterstützung aller, die unsere Werte teilen. Dabei gilt der Gleichheitsgrundsatz ungeachtet der Religionszugehörigkeit, des Migrationshintergrunds, der nationalen und ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung.

Wir haben das Ziel, den humanistisch orientierten Muslimen eine Stimme zu verleihen. Muslime werden oft nur auf ihre Religionszugehörigkeit reduziert. Sie werden oft mit den weltweit verbreiteten Gewalttaten anderer in Verbindung gebracht. Sowohl gegen die Stigmatisierung als auch gegen menschenverachtende Handlungen wollen wir als Bürger in Deutschland in jeder Hinsicht aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft und der Verteidigung der Menschenrechte mitwirken.“ (http://www.muslimisches-forum-deutschland.de/ – 4.8.2016)

Weitere Infos unter:
https://www.facebook.com/MuslimischesForum
http://www.muslimisches-forum-deutschland.de/
https://www.youtube.com/watch?v=R5CT1p_h4Mo

Wir, die Linksjugend [’solid] Oberhausen, sehen im LIB und im MFD sehr großes Potential für die Zukunft, bei der Suche nach einem islamischen Kooperationspartner, der nicht durch nationalistische und islamistische Regime kontrolliert wird.
Die Kooperaion mit den oben genannten drei Dachverbänden ist zum scheitern verurteilt und zeigt auf, dass wir liberale Organisationen stärken müssen, wenn wir den Kampf sowohl gegen den Islamismus, als auch Rechtsradikalismus gewinnen wollen. Denn auch die deutschen Rechtspopulisten, besonders die AFD, nutzen den Diskurs, der bezüglich der Dachverbände geführt wird, um ihn rassistisch, fremdenfeindlich zu instrumentalisieren und können so einflussreiche Teile der deutschen Gesellschaft für ihr nationalistisches und fremdenfeindliches Programm gewinnen. Das muss ein Ende haben. Auch wenn der LIB und das MFD am Anfang ihres Wirkens stehen, so müssen sie doch auch gerade Zuspruch von der Linken Bewegung erhalten, da sie ebenso wie wir, gegen den Faschismus und Nationalismus kämpfen.

Dinner für Alle Teil 2

Dinner für Alle – Teil 2 – 24.6.2016

Die Linksjugend [’solid] Oberhausen lädt am 24.06.2016 um 19Uhr zum zweiten „Dinner für Alle“ ins Linke Zentrum Oberhausen. Der Abend wird unter dem Motto „Iftar“ laufen, wobei wir das muslimische Fastenbrechen mit ALLEN Interessierten und Hungrigen, egal welchen Glaubens, begehen werden. Die Türen stehen ab 19Uhr offen, gegessen und getrunken wird ab 21.45Uhr. Spaß, Zusammenkunft, Tanz und Musik werden neben dem KOSTENLOSEN Essen und Trinken, Teil des Abends sein.

Mehr Infos: https://www.facebook.com/events/122005751554391/

Linkes Zentrum Oberhausen
Elsässer Straße 19, 46045 Oberhausen Oberhausen

Aiman Mazyek beim Parteitag in MD

Liebe Genossinnen und Genossen,

zuerst möchten wir,die Linksjugend [‘solid] Oberhausen, der Partei „Die Linke“ zu ihrem gelungenem Parteitag in Magdeburg am 28. und 29. Mai gratulieren.

Allerdings möchten wir hiermit auch die Parteispitze dafür kritisieren, dass Aiman Mazyek, der Vorsitzende des „Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD)“, zu diesem eingeladen wurde. Darüber hinaus wurde Herrn Mazyek als Ehrengast ein Podium geboten, auf dem er ein Grußwort sprach.

Er betonte in seiner Rede die „Bejahung gegenüber Vielfalt“ und wies konkret darauf hin, dass er sich vom Parteitag der Linken „ein Signal der Toleranz mit der klaren Botschaft: Keine Toleranz der Intoleranz“ wünsche.

Das verwundert nicht nur uns, sondern auch viele andere Genossinnen und Genossen, dader ZMD teils ultra-nationalistische, rassistische und mitunter auch islamistische Mitglieder-Verbände und Organisationen in den eigenen Reihen duldet und sogar in Spitzenpositionen agieren lässt.

Dabei sticht besonders die „Union der Türkisch-IslamischenKulturvereine in Europa e.V.(ATIB)“heraus, die vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen [Vgl. 1] und in Hessen [Vgl. 2] als „Organisation, die dem türkischenNationalismus der „Grauen Wölfe“ zuzurechnen ist“ beschrieben wird.

Die „Grauen Wölfe“, auch bekannt als „Ülkücü-Bewegung“, vertreten die Ideologie von einem „übersteigerten Nationalismus (bezogen auf das Türkentum), einer ethnischen Überhöhung der eigenen „Rasse“, einer Abwertung anderer Ethnien […]“ [Vgl. 2]

Besonders brisant ist die Rolle der ATIB innerhalb des ZMD, da die ATIB in Person von Mehmet Alparslan Çelebi, den stellvertretenden Vorsitzenden des ZMD stellt. [Vgl. 3]

Neben diversen Verfassungsschutzberichten, vertreten auch namhafte Wissenschaftler und „Milieu-Kenner“ wie Dr. Kemal Bozay und Dr. Nikolaus Brauns die Ansicht, dass die ATIB nationalistisches, rassistisches und islamistisches Gedankengut vertritt. Dabei beruft sich die ATIB auf das Prinzip der „türkisch-islamischen Synthese“, die türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Sowohl Dr. Bozay, als auch Dr. Brauns bestätigten uns diese Kritikpunkte in einem persönlichen Telefongespräch.

So schreibt Bozay in seinem Buch „Graue Wölfe heulen wieder“ Vgl.4]:

„Die rechtsextrem-islamistisch gesinnte ATIB dagegen verwendet den Begriff des >Europäischen Türkentums< in enger Verbindung mit der >Nationalen Identität< .“ [Vgl. 4 –S.246]

„Die Belebung der >Nationalen Identität< , sowie ihre Übertragung an neue Generationen,bilden in den Argumentationen von ATIB den Grundbaustein für die weitere Existenz des>Europäischen Türkentums< .[...].“

„Der politische Bezug zum Heimatland soll durch eine politische Mobilität im Aufnahmeland weiter entwickelt werden. Insbesondere geht es dabei auch um die Rekrutierung und Motivierung von türkischsprachigen Jugendlichen der zweiten oder dritten Generation, die in diesem Land geboren oder aufgewachsen sind und häufig in einem Identitätsdilemma stecken. Sie sollen durch die Prägung dieses Begriffs politisiert und für die türkisch-rechtsextremen Organisationsstrukturen mobilisiert werden.“ [Vgl. 4–S.246,247]

Sowohl der Deutsche Bundestag (18. Wahlperiode, 06/2015),als auch die Internetseite „Ufuq.de“, ein Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus,kamen zum gleichen Ergebnis in der Bewertung der ATIB.[Vgl. 5, 6]

So heißt es auf„Ufuq.de“:
„Die ATIB konzentriert sich auf die Organisation der Gotteshäuser und gibt sich im Auftreten moderat. Sie bietet aber gerade dadurch für türkische Nationalisten, für die die MHP zu „radikal“ ist, eine Möglichkeit, im weiteren Milieu der „Grauen Wölfe“ zu verbleiben.“
[Vgl. 6]

Für uns ist somit erwiesen, dass der ZMD und sein Vorsitzender, Aiman Mazyek, türkische Rechtsextreme im Verband dulden und in Spitzenpositionen agieren lassen.

Aber auch das Internetprojekt „islam.de“, das vom ZMD als „Internetauftritt“ und„ Informations- und Öffentlichkeitsarbeit “beschrieben wird [Vgl. 7], beinhaltet Positionen, die sexistisch sind und sexuelle Gewalt in Beziehungen fördern können.

So heißt es auf „islam.de“:
„Der Islam unterstützt nicht die Ehe einerFrau mit einem Nicht-Muslim.“ [Vgl. 8]

„Der Islam erlaubt es den Ehepartnern nicht, sich ohne berechtigten Grund oder willkürlich zu verweigern. [...] Allah verbietet deshalb jeden außerehelichen sexuellen Kontakt, dieser stellt eine Gefahr für eine intakte Familie und somit für die Gesellschaft dar. Auch verbietet der Islam alles, was zu einem solchen außerehelichen sexuellen Kontakt führen könnte. Und genau hierzu zählt die sexuelle Verweigerung einer der beiden Ehepartner gegenüber dem anderen. Wenn dieser nämlich nicht dazu kommt, seine sexuellen Triebe auf erlaubter Weise zu befriedigen, besteht die verstärkte Gefahr der unerlaubten Befriedigung.“ [Vgl. 9]

So steht für uns die Frage im Raum, wie es sein kann, dass unsere Partei „die Linke“, sich im Vorfeld nicht über sogenannte Ehrengäste wie Aiman Mazyek informiert und Menschen ein Podium bietet, welche Nationalismus, Rassismus und Islamismus im eigenen Verbanddulden.

Wir erwarten von der Parteispitze eine ernsthafte Auseinandersetzung mit unseren Kritikpunkten und eine baldige Antwort.

Mit solidarischen Grüßen
Linksjugend [‘solid] Oberhausen

Kontakt, Rückfragen und Stellungnahmen gerne an:
Linksjugend ['solid] Oberhausen
Elsässerstraße 19
46045 Oberhausen
oder per Email an: solidob@riseup.net

Quellen
Vgl. 1 >
http://www.nrweltoffen.de/wissen/publikationen/UElkuecue-Broschuere.pdf
Vgl. 2 >
https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/Graue_Woelfe_Internet_0_0.pdf
Vgl. 3 >
http://zentralrat.de/2593.php
Vgl. 4 >
Fikret Aslan, Kemal Bozay–„Graue Wölfe heulen wieder–Türkische Faschisten und ihre Vernetzung in Deutschland“–3. Auflage, 2010
Vgl. 5 >
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/052/1805222.pdf
Vgl. 6 >
http://www.ufuq.de/tuerkischer-nationalismus-in-deutschland-gemeinschaft-und-identitaet-im-migrationskontext/
Vgl. 7 >
http://zentralrat.de/2594.php
Vgl. 8 >
http://islam.de/1641.php#juc/mischehe03.html
Vgl. 9 >
http://islam.de/1641.php#euf/sexverweigerung01.html

Wir sind die Linksjugend [’solid] Oberhausen

Hier ist der neue Blog der Linksjugend [’solid] Oberhausen. Die Linksjugend [’solid] ist ein sozialistischer, antifaschistischer, basisdemokratischer undfeministischer Jugendverband.
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